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Teil 1


Verfasser: Dr. Andreas Bergrath, Würzburg

An der alten Würzburger Strasse nach Höchberg befindet sich ein Kreuzweg, der sich über mehrere Kilometer erstreckt und aus sieben in Sandstein gehauenen, altarähnlichen Bildstöcken besteht. Die ersten drei Kreuzwegstationen stehen noch innerhalb des Burgfriedens der Stadt Würzburg. Sie beginnen unterhalb des Marienberges. Die Stationen 4 bis 7 stehen auf dem Gebiet des Marktes Höchberg. Den Schluss bildet, als achte Station, eine Kreuzigungsgruppe unter einem kapellenähnlichen Überbau, der sich an der östlichen Stirnseite des südlichen Querhausflügels der Höchberger Pfarrkirche Mariä Geburt befindet. Die Errichtung dieses Kreuzweges fällt in die Jahre 1626-1627. Die Kapelle über der Kreuzigungsgruppe gehört dem Ende des 17. Jahrhunderts an.
In den kommenden Monaten wird die 4. Kreuzwegstation restauriert werden. Aufgrund der besonderen kulturhistorischen Bedeutung dieser Station für den Markt Höchberg wird diese Restaurierung als nationales Projekt durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, dem Bezirk Unterfranken sowie durch den Markt Höchberg gefördert. Aus diesem Grund soll mittels dieses Berichtes sowie zweier noch folgender Berichte die heimatgeschichtliche Bedeutung dieses Kreuzweges dem interessierten Leser näher gebracht werden:
Die Kreuzwegstationen waren die durch biblische oder legendarische Erzählungen bezeichneten Ruhepunkte des Leidenszuges von Pilatus` Haus bis nach Golgatha. Im späteren Mittelalter nannte man in Jerusalem deren sieben. Durch die Pilger - der Dominikaner Alvarus wird zuerst genannt - wurde der Gedanke in dieser Form nach dem Abendland übertragen, dass man an Prozessionsstrassen in gewissen Entfernungen die plastischen Darstellungen der einzelnen Szenen aufrichtete mit dem Schlusspunkt der Kreuzigung oder Grablegung an einer Kirche oder Kapelle.

Die sieben Kreuzwegstationen tragen die folgenden Bezeichnungen:

  1. Christus wird vor Pilatus zu Boden geschlagen
  2. Christus wird wegen seiner Antwort vor dem Hohe Priester zu Boden geschlagen
  3. Christus, am Boden liegend, wird gegeißelt
  4. Pilatus bricht den Stab - Christus, am Boden liegend, wird von den Kriegsknechten geschlagen
  5. Jesus fällt unter dem Kreuz
  6. Jesus wird seiner Kleider beraubt
  7. Christus wird am Kreuz erhöht

Die Zeit von 1621 bis 1632, also dem Zeitraum währenddessen der Kreuzweg erbaut wurde, beschreibt einer der wichtigsten Würzburger Stadtchronisten wie folgt:
"Im Jahre 1621 hatte die Stadt Würzburg nicht mehr als 1120 bewohnbare Häuser, und zählte nur 9.782 Seelen. Der 65. Regent von Würzburg hieß Bischof Philipp Adolph von Ehrenberg und regierte von 1623 bis 1631. Der Pfalzgraf von Reuburg und Jülich hält mit 50 Pferden und 3 Kutschen seinen Einzug (1617). An den neuen Galgen wird der erste Dieb gehenkt. Zur Ausrottung der Zauberei oder Hexerei wird ein mehrtägiges allgemeines Beten angeordnet. Für die Hexen wird ein eigenes Gefängnis von 8 Gewölben erbaut. Große Einquartierung von französischen, sächsischen, savonischen, holländischen und württembergischen Kriegsvölkern. Ein angeblicher Graf, der die Leute durch falsches Gold und Edelsteine um viele Tausende betrogen, wird durch`s Schwert hingerichtet. Eine Frau wird von Vierlingen entbunden. Um Dämpfung des böhmischen Aufruhrs und Verhütung eines allgemeinen Krieges wird eine große Prozession gehalten. Der Erzherzog Leopold von Oesterreich, Bischof von Passau und Straßburg, hält abermals seinen Einzug dahier (1618). Kaiser Ferdinand II. kehrt nach seiner Krönung zu Frankfurt einige Tage am bischöflichen Hofe dahier ein (1619). Die Äbte und Städte halten einen Landtag (1621 u. 1623). Die Güter verurteilter Hexen, deren Bischof Philipp Adolph bis jetzt 219 hinrichten ließ werden in Beschlag genommen (1627). Zwei Rechtskandidaten an der Universität werden als Hexen verbrannt (1630). Die Annäherung schwedischen Kriegsvolkes verbreitet panischen Schrecken. Die vornehmsten Kostbarkeiten werden auf die Festung geflüchtet. Die Jesuiten nehmen den Reißaus. Die einige Mal zur Übergabe aufgeforderte Stadt wird durch Kapitulation dem Schwedenkönige Gustav Adolph geöffnet, von seinen Truppen geplündert, und entwaffnet. Der König setzt eine eigne Landesregierung ein und erobert mit Sturm die mit reichen Schätzen gefüllte Festung. Die Stadt zahlt 80,000 Rthlr. Brandschatzung. Ankunft englischer Gesandten. Das Tabakrauchen wird den Schweden nachgeahmt (1631). Der Markgraf von Brandenburg, die Grafen v. Solms und v. Thurn erscheinen. Die ganze schwedische Armee rückt hier ein. Stadt und Land zahlen abermals eine Kontribution von 20,000 Rthlr. Begleitet von 1000 Reitern, 11 Kutschen und 12 Reisewagen hält unter dem Donner der Kanonen die Königin von Schweden ihren Einzug. Die Pest fängt an, sich zu verbreiten. Starke Requisitionen. Fünf Gebäude brennen ab. Nachricht vom Tode des Schwedenkönigs. Einzelne Plünderungen (1632)."

Über die Pfarrei Höchberg wissen wir, dass nach alter glaubwürdiger Überlieferung der heilige Burkardus (ein vornehmer Schotte, Regierungsantritt von 741-753), der erste Bischof von Würzburg nach dem Glaubensboten St. Kilian, an dem Orte, wo jetzt Höchberg ist, ein Kirchlein erbaute und es der allerseligsten Jungfrau Maria weihte.
Der Pfarrer Johannes Alberti, Vikar zu St. Burkard, versah die Pfarrei Höchberg vom 26. September 1618 bis 18. Januar 1647, hat also fast die ganze harte Zeit des Schwedenkrieges mit durchgemacht. Er stammte von Schönau a. Brend (bei Bischofsheim a. Rh.) und war mit Geschwistern reich gesegnet. Aus den Notizen des Matrikelbuches lassen sich nicht weniger als vier derselben konstatieren; erstlich ein Bruder, der ihm beim Einfall der Schweden half, den Kirchenschatz im Grabe eines Toten unter dessen Leichnam zu verbergen. Als jedoch Pfarrer Alberti nach dem Abzug des schwedischen Heeres gegen Mainz im November 1631 von seiner Flucht nach Höchberg zurückgekehrt war und den Kirchenschatz wieder hob, bekam dieser Bruder Gelüste, den Schatz für sich wegzunehmen; mit Mühe brachte ihn Pfarrer Alberti davon ab; aber aus Zorn hierüber ging er unter die Soldaten.
Falls Sie Fragen zu diesem Kreuzweg haben, so steht Ihnen der Verschönerungsverein Höchberg gerne für fachkundige Informationen zur Verfügung.




Teil 2

Kreuzweg
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