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Teil 2


Verfasser: Dr. Andreas Bergrath, Würzburg

"Noch sieht man an der alten Straße von Würzburg nach Höchberg auf hohen Postamenten sieben treffliche, aber jetzt leider vielfach beschädigte Steinbildnisse, welche die so genannten `Sieben Fälle´ unseres Heilandes vorstellen und in den Jahren 1626 und 1627 von der Hofdienerschaft Philipp Adolphs, namentlich dem Prinzipal der Hofküche, Konrad Bauer, vom Schlosse Marienberg bis zum Kirchhof von Höchberg, der damals um die Kirche war, errichtet wurden, um sich vom Verdachte der Teilnahme an dem Hexenwesen zu befreien. Außer mehreren Bürgern steuerte das Domkapitel 100 fl. bei, der Bischof aber 200 Taler zur Aufrichtung des schönen Steinkruzifixes bei der Kirche in Höchberg, welches den Schluß des Stationsweges bildete. Später (um das Jahr 1670) wurde eine Kapelle darüber erbaut mit einem Altare, auf welchem an Tage St. Walburgis (1. Mai) die hl. Messe gelesen wurde."

Dieses einführende Zitat aus dem Jahre 1907 nennt uns die Auftraggeber und die Umstände, warum solch monumentale Kreuzwegstationen zwischen Würzburg und Höchberg errichtet wurden. Im folgenden wird die Reliefplatte der 4. Kreuzwegstation beschrieben. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass Michael III. Kern (1580-1649) diese Station geschlagen hat. Kern gilt durch die Anzahl und Grösse seiner Werke als die bedeutendste Erscheinung in der Würzburger Plastik des frühen 17. Jahrhunderts. Hierzu heisst es: "Ein tüchtiger Unbekannter scheint das Werk 1626 begonnen, ein lokaler Handwerker, der sein Meisterzeichen angebracht hat, es 1627 fortgeführt, unser Künstler (Michael III. Kern, d.V.) es vollendet zu haben. (...) Dieser Meister, der den Bildstock der vierten Station mit der Jahreszahl 1626 bezeichnet hat, ist (Michael III., d.V.) Kern (...)".

Aufgrund der besonderen Bedeutung dieses Meisterwerkes wird die anstehende Restaurierung als nationales Projekt durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, der Unterfränkischen Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken und durch den Markt Höchberg gefördert. Interessierte Bürgerinnen und Bürger wenden sich bitte an den Verschönerungsverein Höchberg (1. Vorsitzender Herr Heinz Pross, Telefon: 0931/405483), um weiterführende Informationen über dieses Kulturdenkmal zu erhalten. In einem dritten Teil dieser Reihe wird ein Beitrag über die 12 Architekturteile der 4. Kreuzwegstation im Mai 2006 erscheinen.

Das eingelassene Bildrelief zeigt die Verurteilung Jesu Christi zum Tode durch Pontius Pilatus. Es gliedert sich in drei verschiedene Reliefebenen: Dem Flachrelief, dem Halbrelief und dem Hochrelief.



Im Hochrelief ist die Figurengruppe um Jesus Christus gearbeitet



Im Hochrelief ist die Figurengruppe um Jesus Christus gearbeitet. Jesus Christus (1) , gefesselt und zu Boden geworfen, liegt auf der Grundplatte des Reliefs. Mit überkreuz gefesselten Händen stützt er sich auf den beiden Ellenbogen auf. Sein Gesicht ist von Schmerzen gezeichnet und wendet sich ab von seinen Peinigern.

Mit ausgestreckten Armen und mit schreitender Bewegung zerren die Soldaten (2) (3) (4) Jesus an Stricken zu Boden. Grösster Sadismus spricht aus ihren bösartigen Gesichtern. Die Palastsoldaten sind Syrer und Todfeinde der Israeliten. Es bereitet ihnen grösstes Vergnügen dem Betrachter Jesus gefesselt vorzuführen. Mit ausholendem Arm und mit einer Peitsche in der Hand haltend, schlägt ein Helm tragender Kriegsknecht (5) brutal auf Jesus ein.

Eine Treppe führt zum Balkon des römischen Palastes. Dort sitzt auf der linken Seite Pontius Pilatus (7) . Mit beiden Händen bricht er den Stab über Jesus, als Zeichen seiner Verurteilung zum Tod durch Kreuzigung. Pilatus hat seinen rechten Fuss auf die Kante der obersten Treppenstufe gesetzt (Halbrelief) .

Links, neben Pontius Pilatus sitzt sein Stellvertreter Quintillius (6) . Er schaut mit abgewandter Körperhaltung, mit zurückgewandtem Kopf und mit einem fragenden Blick (nach dem Motto: "Seid Ihr nun zufrieden mit der Verurteilung Jesu Christi?") zur Gruppe der Hohen Priester hinüber, die am gegenüberliegenden Balkongeländer stehen.

Hinter der linken Schulter Quintillius erkennt man das weinende Gesicht des Petrus (8) , der Jesus so bald der Hahn krähte dreimal verleugnet hatte.

Hinter der rechten Schulter des Quintillius sieht man das traurige Gesicht Johannes (9) , der zu Petrus hinüber blickt.

Wie ein Keil ist die folgende Menschengruppe eingefügt (Flachrelief) : Sie zeigt zunächst die Ratsmitglieder in Gestalt eines Sadduzäers (10) sowie eines Pharisäers (11) , die miteinander sprechen und dieser Gerichtsverhandlung beiwohnen. Anschliessend erkennt man das Gesicht eines schreienden Hebräers (12) . Sorgenvoll blickt das Antlitz des Nikodemus (13) auf die schlagende Soldateska. Nikodemus trägt eine Kopfbedeckung und ein Teil seines umgeschlagenen Mantels ist erkennbar. Als letztes Gesicht in dieser Menschengruppe erscheint das Porträt eines Soldaten mit Helm (14) in Seitenansicht.

Am Pfeiler des Balkongeländers steht der Hohe Priester Kaiphas (15) . Er hält in der linken Hand einen Stab mit dem er Christus verurteilt. Seine rechte Hand umgreift die Anklageschrift. In seinem Gefolge befinden sich die Hohen Priester Haggia (16) und Zerah (17) . Der Hohe Priester Zerah, seine rechte Hand liegt auf dem Handlauf der Balustrade, dreht seinen Kopf nach rechts und blickt zu einer weiteren stehenden Gewandfigur (18) . Diese Gestalt scheint sich ganz unbemerkt, von rechts kommend, auf den Balkon der Hohen Priester begeben zu haben. Haggia blickt ihn sehr unfreundlich, fast zornig, an. Doch das Antlitz dieses stillen Betrachters würdigt Haggia keinen einzigen Augenblick. Ganz in seine eigene Gedankenwelt versunken, blickt der stille Betrachter über die Diagonale dieses Reliefbildes zu Jesus Christus, der geschunden am Boden liegt. Es ist davon auszugehen, dass der Künstler und Erschaffer dieses Reliefs, Michael Kern (18) , in der Gestalt des Josef von Arimathäa (18) sich verewigt hat.




Teil 3

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