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Teil 3


Verfasser: Dr. Andreas Bergrath, Würzburg

Die 4. Kreuzwegstation besteht aus 12 Architekturteilen, welche sich vom Sockel bis zum Bekrönungskreuz wie folgt zusammensetzen:



Die 4. Kreuzwegstation besteht aus 12 Architekturteilen



1. Stationssockel:
Der Stationssockel ist als Quadermauerwerk (Opus quadratum) aus grossen Muschelkalkblöcken zusammengesetzt.

2. Fussgesims:
Die Basisplatte des Unterteils besteht aus einem umlaufenden Sockelprofil mit zwei äusseren Wiederkehren. Das Profil besteht aus Platte, Fase, Viertelstab, Falz und Hohlkehle.

3. Schriftkartusche:
Die Schriftkartusche besteht aus einer rechteckigen Sandsteinplatte mit umlaufenden profilierten Rahmen. An der linken und an der rechten oberen Ecke wird sie von zwei Voluten mit Arabesken geschmückt. An den beiden unteren Ecken zieren bewegte Rocailleformen die Platte. Die Schmuckelemente sind mit einem schmalen aufgesetzten in der oberen Hälfte umlaufendem Stabwerk miteinander verbunden. Das Stabwerk endet auf halber Höhe der Reliefplatte. Die Endungen laufen in einem volutenartigen Schnörkelwerk aus.

Ein Totenkopf mit gebrochenen Knochen ist dem Stabwerk zwischen den beiden oberen Voluten aufgesetzt. Als Gegenstück befindet sich am unteren Ende zwischen den beiden Rocailleornamenten ein verschnörkeltes Volutenpaar. In der Mitte der Platte befindet sich das Spiegelfeld, auf dem der Schrifttext mit bewegter Fraktur eingemeisselt ist. Der Inhalt des Spiegelfeldes lautet:

Der 4. Fall Jesu Christi

Pontius Pilatus O falsches Gericht

Steht als man JHESUS das stäblein bricht

Gleich wie das Lamb O nmächtig erschrecken

Getretten geschlagen M it stricken und stecken

Bangst und nott A ch Herr mein Gott

bist noch lebend R edst nichts oder todt

Folgst bereit Gott J n himmel Zu ehren

dafür den mentschen A m Kreutz auch hören

Anno 1626

Die Großbuchstaben in den Zeilenmitten ergeben zusammen mit dem großgeschriebenen Wort "JHESUS" von oben nach unten gelesen: "O JHESUS O MARIA".

Mit seinen Schnörkeln und ausladenden Federschwingen schrieb man die Fraktur zur Zeit der Renaissance für wertvolle Urkunden und prachtvolle Dokumente. Die hier verwendeten Grossbuchstaben sind sehr bewegt und schwungvoll. Ihr typisches Merkmal bildet jene geschwungene Linie, der sogenannte "Elefantenrüssel", der bei den Initialen entweder als Anstrich oder als fester Bestandteil vorkommt.

Das langgezogene ovale Schriftfeld wird von einem schmalen, scharrierten umlaufenden Stabwerk eingerahmt. Die seitlichen Ansichtskanten der Schriftplatte sind mit einem durchgehenden Scharrierhieb versehen.

4. Gurtgesims
Das Mittelgesims besteht aus einem reich profilierten mit zwei äußeren Wiederkehren hervortretenden Sandsteinplatten, deren nochmals herauskragendes Mittelteil in Form einer Profilverschneidung aufgesetzt ist.

5. Reliefplatte
Die Reliefplatte mit ihrer reichen figürlichen Darstellung ist auf das Zwischengesims aufgesetzt. In dramatischer Weise und mit bewegten Figuren ist die Verurteilung Jesus Christi durch Pontius Pilatus aus Sandstein herausgemeisselt (vgl. hiezu auch Teil 2).

6. Rahmenfries
Ein mehrfach flach abgestufter Rahmenfries, der an den beiden oberen Ecken mittels einer inneren und äußeren Profilwiederkehr abgesetzt ist, rahmt die Reliefplatte ein. Der Rahmenfries nimmt baugeschichtlichen Bezug auf das Aedicula (lat.: Kleines Haus) in dessen Nische das Reliefbild Platz findet.

Die flach hervorspringenden Profilstreifen des Rahmenfrieses mit umlaufender Perlschnur nehmen Bezug auf das Faszie, einem Bauelement des griechischen Tempelbaus der griechisch-ionischen Ordnung. Der Rahmenfries verleiht dem darin befindlichem Reliefbild eine erhöhte Tiefenwirkung und hebt es somit als ein herausragendes Ereignis nochmals besonders hervor.

7. Architravbalken
Ein zurückgesetzter schlichter an der Oberfläche scharrierter Architravbalken gliedert den Übergang von Aedicula zu dem wuchtig herauskragenden Kranzgesims.

8. Kranzgesims
Dieses Kranz- oder Hauptgesims bildet mit dem Walmdach eine Art Giebelfeld, das der Aedicula (Rahmenfries mit Bildrelief) aufgesetzt ist. Das umlaufende reich profilierte Kranzgesims mit umlaufender Auskehlung mit Tropf-Wassernase nimmt Bezug auf Geison und dem Kranzgesims, welches beim griechischen Tempelbau ionischer Ordnung mit der anschließenden Sima (Traufrinne) die größte Ausladung aufweist.

9. Walmdach
Das flach ausgeführte Walmdach trägt die aufgesetzte leere Wappenkartusche.

10. Wappenkartusche
Die elegant ausgeführte Wappenkartusche besteht aus zwei Standvoluten, einem ovalen mit Rand abgegrenztem Spiegelfeld und zweier Puttos, die im oberen Teil die Wappenkartusche beschwingt einfassen. Die Wappenkartusche trägt das alles überragende Symbol des christlichen Glaubens, das Kreuz, welches als Symbol für die Überwindung des Todes und der Auferstehung steht.

11. Bekrönungskreuz
Dieses Bekrönungskreuz ist als dreiblättriges Kleeblattkreuz ausgeführt. Dem Kleeblattkreuz ist ein schlichtes Stabkreuz aufgesetzt. Drei flache Scheiben schmücken jeweils den Mittelpunkt einer Kleeblattendung.

12. Pfeilerhintermauerung
Aus kräftigen Sandsteinblöcken ist diese 4. Kreuzwegstation zwecks Sicherung hintermauert. Diese Hintermauerung erfolgte in Form eines Stützpfeilers mit Verdachung.

Aufgrund der besonderen Bedeutung dieses Meisterwerkes wird die Restaurierung als nationales Projekt durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, durch die Unterfränkische Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken und durch den Markt Höchberg gefördert.




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